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Das Ende/Der Anfang

Nicht für (kleine) Kinder geeignet!




Mary weiß, was sie will.
Und weiß es doch nicht.

 

Sie will rennen, all das hier hinter sich lassen.

Und gleichzeitig will sie doch Nichts mehr, als hier zu bleiben.

Hier in sich.

Ihre Stimmen werden lauter und lauter.

Sie schreien, doch Mary hört sie längst nicht mehr.

Sie sind wie das Ticken einer Uhr.

Irgendwann hört man sie nicht mehr.

 

Mary weiß, dass sie nicht normal ist, und doch fühlt sie sich so normal.

Sie weiß, dass sie Probleme hat, und gleichzeitig fühlt sie sich so unbeschwert.

So schwerelos.

Mary weiß, dass sie ernsthaft krank ist, doch hat sie sich noch nie so lebhaft gefühlt.

So belebt.

 

Am liebsten würde sie genau jetzt einen Marathon laufen gehen, doch im gleichen Moment würde sie sich am liebsten hinsetzen und ein neues Bild malen.

 

 

 

Doch Mary weiß, dass sie keine hundert Meter überleben würde und auch, dass sie furchtbar malt. Außerdem hat sie gar keine Farben und auch keine Rennstrecke.

Und doch empfindet sie diesen Drang dafür.

 

„Du weißt dass du das alles gar nicht willst, oder?“

 

Skippy steht plötzlich neben ihr.

Alt ist er geworden. Das Fell glänzt nicht mehr so schön wie früher. Seine Haltung wirkt schonend, nicht mehr so anmutig und sportlich wie früher.

Und noch etwas ist anders, doch Mary will nicht auffallen, was es ist.

 

 

„Du weißt, dass du das alles gar nicht willst.“

Er wiederholt die unbeantwortete Frage, doch klingt es nun eher wie eine Aussage als eine Frage.

Und Mary weiß, dass es eine wahre Feststellung ist.

 

„Du willst nur wieder wie andere Mädchen sein. Wie normale Menschen.“

 

Skip spricht wieder einmal ihre Gedanken aus.

 

„Und du willst es so sehr, obwohl du nun schon so lange weißt, dass es niemals passieren wird. Und weißt du, es bringt dich langsam um. Die unerfüllbare Hoffnung. Dass du nicht einfach hinnehmen kannst. Und da es dich umbringt, bringt es mich und alle anderen auch um.“

 

Er macht eine kurze Pause.

 

„Sieh mich doch bloß an. Du willst es zwar nicht wahrhaben, aber ich blute.

Mein ganzes Fell ist getränkt in meinem eigenen Blut.“

 

Mary weiß nicht, was er meint. Sie will es nicht wissen.

Und doch sickert langsam das Blut durch. Direkt in ihren Blick hinein.

 

Sein Fell ist nicht matt.

Es glänzt nicht mehr, weil es rot verklebt ist. 

Voll mit Blut.

 

Und sie ist daran schuld.

Schuld daran, dass ihr bester Freund ihretwegen nun stirbt.

Schuld daran, dass alle sterben.

Und sie kann nur hilflos zusehen, unfähig, auch nur einen Muskel zu bewegen.

 

Sie würde so gerne schreien.

Sie würde sich so gerne losreißen von den Ketten, die sie halten.

Ihnen allen helfen, wie sie da so auf dem Boden liegen und vor sich hin bluten.

Langsam verblutend.

 

Doch sie kann nur still zusehen, bis ihr langsam dämmrig wird und sie in den letzten Atemzügen der anderen davon driftet.

Wissend, dass alles nun ein Ende finden wird.

Nicht mehr nur hoffend.

 

Sie hat all das kommen sehen.

Es war die logische Konsequenz.

Jetzt ist sie endlich frei.

 

 

 

Das war sie nun. Die Geschichte der freien Mary. Oder aber es ist der Anfang. Der Anfang etwas Großen!...

 

~ © Ann-Kathrin Kälberer 2017 ~

 















Zuletzt geändert: 22.05.2017 09:59:05

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