Kurzgeschichte



Tanzen

Und sie tanzte zum Takt der Musik.

Und wie sie tanzte!
Ihre Haare wehten in der Gegend herum und ließen sie so wunderschön aussehen.
Es schien, als seien alle Augenpaare nur auf sie gerichtet, und wenn das wirklich der Fall gewesen wäre, hätte sie trotzdem nichts davon mitbekommen.
Augen geschlossen und vollkommen in einer anderen Welt. Als seien die Bewegungen der Schlüssel dorthin.
Vielleicht war ich auch nur der Einzige, dem sie auffiel.
Mit ihrem dunkelroten Kleid, das ihr gerade so bis an die Knie ging, ihrer schwarzen Strumpfhose und den beinahe kniehohen Stiefeln.
Und vielleicht war ich auch nur der Einzige, dem das besinnliche Lächeln auf ihren Lippen auffiel.

Das Problem war hier jetzt nur, dass sie dort drüben auf der Tanzfläche stand und tanzte, während ich hier auf meinem Barhocker an dem Tresen saß und meinen mittlerweile dritten Drink vor mir stehen hatte.
Und ich war wohl einer der schüchternsten Personen auf diesem verdammten Planeten.
 

Und so saß ich hier nun bereits seit gefühlten Stunden und beobachtete sie, wie sie sich auf der Tanzfläche bewegte und scheinbar davon nicht müde wurde.

 

Ich wollte, ich könnte sie ansprechen.
Das dachte ich mir nun schon, seit ich sie vorhin das erste Mal gesehen hatte.
Und seitdem versuchte ich mir Mut anzutrinken.

Mittlerweile war ich bei meinem vierten Drink.
Und um ehrlich zu sein, wusste ich langsam nicht mehr, weshalb.
Durch Trinken würde ich nicht mutiger werden.
Ich war nicht so jemand, der durch Alkohol komische Dinge tat, die er sonst nicht täte.
Im Generellen war ich nicht so der Typ, der Dinge tat.
Eher der Typ, der sich vorstellt, wie es sein könnte, hätte er mehr Mumm, und am Ende doch alleine heimging.

So wie auch heute.

Der Barkeeper hatte mich zwar noch darauf angesprochen, dass ich doch mal zu ihr rüber und sie ansprechen sollte, wenn ich doch so vernarrt in sie wäre.
Doch ich hatte nur dankend abgelehnt, meine Rechnung bezahlt und meine Jacke genommen, um heim zu gehen.
Ich würde sie nicht ansprechen und erst recht nicht mit nach Hause bringen.
Auch wenn ich beim Heim laufen darüber nachgedacht hatte, dass sie bei dem Wetter alleine heim gehen müsste.

Es regnete wie aus Eimern und der Himmel war vollends mit Wolken behangen.
Kein schönes Wetter.
Doch irgendwie spiegelte es meinen Unmut wider.
Auch wenn die Erinnerungen an sie und ihr Tanzen meine Seele ein wenig aufhellen ließen.

Vielleicht würde ich es irgendwann einmal schaffen, sie anzusprechen.
Aber auch wenn heute noch nicht der Zeitpunkt gewesen war, so hoffte ich doch insgeheim, dass der Zeitpunkt bald käme…

~Ann-Kathrin Kälberer *5. Jan. 2017 ~




Zuletzt geändert: 30.01.2017 17:30:05

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