Kurzgeschichte



Die erste große Liebe - Das gebrochene Herz

‚Bitte geh nicht‘, denke ich, doch sage ich keinen Ton.
Sehe dir mit traurigem Blick nach, wie du dich einfach abwendest und wegläufst.

„Komm Liebling, dein Vater wartet“, spricht meine Mutter mich an.
Ach ja, da war ja was.
Ich muss wieder heim.

Das Auto wartet auf mich.
Das Auto wartet auf mich und meine große Liebe hat mir gerade den Rücken zugewandt und stiefelt nun von mir weg.
Immer einen Schritt weiter weg.

Möchte ihm nachrennen, sagen, dass ich ihn liebe.
Doch das will er alles nicht hören.
Er will gar nichts mehr hören, nur sagt er mir das nicht.
Und das bricht mir das Herz.

Er hat mir heute so oft das Herz gebrochen, und doch schlägt es noch.
Noch immer nur für ihn.

Mit jedem Schritt bricht es mehr, bis er um die Ecke ist und ich die Tränen nicht mehr zurückhalten kann.
Ich glaube, ich bin gerade innerlich gestorben.
Und irgendwas sagt mir, dass ab heute alles anders wird.
Dass ab heute nichts mehr so sein wird, wie es gestern noch war.

Doch das Warum bleibt zurück.
Verstehe die Welt nicht mehr.
Weiß nicht, warum er plötzlich so abweisend ist.
Und ich werde es für die nächsten zwei Jahre auch nicht erfahren, nur das weiß ich jetzt noch nicht.

Jetzt gerade weiß ich nur, dass ich nicht weiß, wie es weitergehen soll.
Wie man ohne seine große Liebe weiterleben soll, wenn man sie zwar gefunden, sie aber so plötzlich auch wieder verloren hat.

Wenn man plötzlich anstelle von Traurigkeit nur noch Wut verspürt.
Wut auf sich selbst, weil man nicht weiß, was man falsch gemacht haben könnte.
Eine Wut, die jahrelang nicht verebben wird, auch wenn man den Grund der Trennung erfährt.
Weil man selbst der Grund war.

Und ich sitze jetzt zusammengesunken im Auto.
Meine Mutter redet auf mich ein, dass das alles nur eine Phase ist, die schon wieder vorbeigehen wird.
Doch ich weiß, es wird nicht vorbeigehen.
Dass es nicht nur eine „Phase“ ist.
Dies hier ist das Ende von dem Besten, was mir je passiert ist.
Und was mir passieren wird.

Die erste große Liebe vergisst man nicht, singen sie.
Doch niemand hat mir je gesagt, dass es Jahre später noch so wehtun wird. Dass es Jahre später noch das Herzrasen beginnt und die Beine zu Wackelpudding werden, wenn man plötzlich vor ihm steht.
Dass man Jahre später noch dieses dämliche Grinsen ins Gesicht bekommt, wenn man
wieder Kontakt zu ihm hat.
Man von ihm redet, spricht. Wenn man mit ihm spricht.

Das hatte man mir nicht gesagt…

 

~Ann-Kathrin Kälberer, getippt am 10. April 2017, geschrieben am Unbekannt~




Zuletzt geändert: 30.01.2017 17:30:05

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