Kurzgeschichte



Das Ende

“Don’t you dare think it didn’t hurt me to leave”, she said.
“Don’t you dare.
“Leaving you was the hardest thing that I’d ever done.
“Leaving you was the only way I knew how to save myself.”

~ Sue Zhao ~


„Du hast doch gar keine Ahnung, wie es ist, einfach stehen gelassen zu werden!
Aufgegeben zu werden!
Du hast keine Vorstellung davon, wie das ist, einfach den Boden unter den Füßen weggezogen zu bekommen!
Du hast keine Ahnung, wie scheiße weh mir das alles tat! Wie weh es mir noch immer tut!“

Ich glaube, ich hatte mein Zeitgefühl verloren.
Wie lange stand ich nun schon hier?
Und vor allem: Wie lange stand er nun schon vor mir und hielt mir seine Rede hier?
Es war auf jeden Fall zu lange.
Und wie mir mit jedem seiner Worte klarer wurde, wusste er rein gar nichts von mir.
Aber absolut gar nichts.
Es war, als habe er mir auch nie nur einmal zugehört, wenn ich über mich und meine Vergangenheit gesprochen hatte.
Und das war mit beim besten Willen schon nicht einfach gewesen, ihm darüber zu erzählen.

„Danke.“

Mehr gab ich nicht von mir.
Ein Wort.
Unterstrichen durch einen Blickkontakt, den er verwirrt erwiderte.
„Hä?“
Vollkommen aus dem Konzept gebracht.
„Für was jetzt danke?“
Zusammengezogene Augenbrauen.
Mein Blick bekam etwas Spöttisches.

„Dafür, dass du mir gerade wieder gezeigt hast, dass dich meine Geschichten und meine Vergangenheit nie interessiert haben.“

Endlose Verwirrung.
Ich wusste nicht, ob ich lachen oder weinen sollte.

„Wenn du der Meinung bist, dass ich niemals in deiner Situation gewesen wäre, hast du dich gewaltig geschnitten.
Ich hab dir oft genug meine Wunden und Narben auf meiner Seele offenbart.
Wurde zerstört, aber weißt du was? Es hat dich die ganze Zeit nicht interessiert. Jetzt hat es dich nicht mehr zu interessieren.“

Langsam schlug meine Stimme zu wütend um.
Was ging ihn das überhaupt noch an!

„Aber es tat so weh...“, fing er wieder an. „Und es scheint, als ließe es dich vollkommen kalt, dass das mit uns jetzt aus ist…“

„Wenn du jetzt der Meinung bist, dass es mir nicht auch zugesetzt hat, dann liegst du gehörig falsch!
Du hast keine Ahnung, wie schwer es auf meinen Schultern lag, dass es dir so beschissen ging!
Aber es war der einzige Weg, den ich wusste, um mich zu retten.
Auf mich zu achten.
Ich habe wirklich alles für dich getan, aber ich hatte einen Punkt erreicht, an dem wäre ich – hätte ich so weiter gemacht wie bisher – zerbrochen und unwiderruflich zerstört gewesen.
Und wage dich jetzt bloß nicht, zu sagen, dass es einen anderen Weg gegeben hätte.
Du hast mir nie richtig zugehört.
Und ich bin nicht für dich gemacht, so wie du nicht für mich.
Alle anderen möglichen Wege hab ich ausprobiert.
Also widerspreche mir jetzt bloß nicht!“

Er hatte bereits wieder den Mund geöffnet, um direkt loszulegen.
Jetzt schloss er diesen wieder.

Er hatte absolut keine Ahnung.

„Ich gehe jetzt. Ohne dich.
Lass mich einfach in Ruhe.
Leb wohl.“

Mit diesen Worten wand ich mich von ihm ab, ließ ihn dort stehen und ging.

 

Für mich war dieses Kapitel ein für alle Mal abgeschlossen.
Ich konnte nur hoffen, dass er mich auch wirklich endlich in Ruhe ließ.

Für mich war der gemeinsame Weg hier endgültig zu Ende.

 

~Ann-Kathrin Kälberer *12. Januar 2017,
mit Dank an Sue Zhao für das Inspirations-Zitat;
Thanks a lot for your incredible writing! :D ~





Zuletzt geändert: 30.01.2017 17:30:05

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