Forever And Ever - I Am Lost Without You


4. Das Gespräch


~ 2 Jahre später ~

 

Bestimmte Außenstehende konnten es eigentlich nicht wirklich fassen. Ich lebte noch immer mit Gideon zusammen und liebte ihn noch wie am ersten Tag. Und nun war ich endlich 18, weshalb ich endlich alles alleine entscheiden durfte und nicht dauernd Grace fragen musste.

Außerdem hatte ich mein Abitur endlich in der Tasche, welches ich mit beinaher Bestleistung bestanden hatte (hierbei handelte es sich lediglich um einige kleine Punkte, die mir gefehlt hatten, um ein glattes Einserzeugnis zu haben), weshalb ich nun endlich auch von der lästigen Schule befreit war. Das Leben konnte so schön sein… Gideon und ich wohnten schon lange nicht mehr in seiner ehemaligen Wohnung, die er früher mit seinem Bruder Raphael, der gleichzeitig mein bester Freund war, geteilt hatte. Wir hatten uns ein eigenes Haus gekauft, welches die Loge gesponsert hatte, denn Raph war uns wirklich zu lästig geworden und Leslie war zu ihm in die alte Wohnung gezogen. Die beiden hatten sich total ineinander verliebt und waren ein wirklich süßes Paar. Natürlich nicht so süß wie ich und Gid, aber trotzdem süß.

Charlie war bei mir, da sie fand, dass wir uns viel zu lange nicht mehr gesehen hatten. Klar, zwei Tage waren ja auch wirklich eine lange Zeit… Wer’s glaubt! Sie wollte doch nur auf dem Laufenden bleiben, was bei mir und meinem Schatz so los war. Nachdem ich ihr gefühlte hundert Mal beteuert hatte, dass in den letzten zwei Tagen nicht viel passiert war, beschloss sie das Thema zu wechseln. Wir redeten eine Zeit lang über Belangloses, bis wir wieder mal auf das Thema „Beziehungen“ stießen.

Gideon war glücklicherweise noch in der Uni. Er hatte heute seine Prüfungen, die wirklich wichtig für ihn sowie seinen und somit auch unserem zukünftigen Weg waren. Und so kam es, dass ich dann doch so einiges über mich und Gid rausrückte, was Charlie noch nicht wusste.

Als ich dann mit dem Erzählen über mich und meinen Freund fertig war, fragte ich sie, ob sie es denn auch endlich geschafft hätte, einen Freund zu finden. Scheinbar hatte ich mit meiner Frage einen Volltreffer gelandet, denn sie wurde augenblicklich und in wirklich rekordverdächtiger Zeit rot. Dies ließ mich schließen, dass sie es endlich geschafft hatte. Ich konnte mir einfach mein Grinsen nicht verkneifen.

„Wer ist der glückliche Gewinner?“, wollte ich nun wissen, denn sie hatte meine Neugier geweckt. „Er, …, ähm,… er heißt Max.“, fing sie an zu stottern. ‚Max also. Netter Name‘, dachte ich mir. ‚Aber an Gideon kommt er einfach nicht ran‘, war auch schon mein nächster Gedanke, bei welchem ich schmunzeln musste…

Doch Charlie war so in Gedanken an ihren Max versunken, dass sie, nachdem sie angefangen hatte über ihn zu sprechen, gar nicht mehr aufhören wollte. „Wir haben uns letztens im Park kennengelernt…“, fing sie deshalb wieder an und wollte mit Schwärmereien um „Ihren Max“ gar nicht mehr aufhören. Glücklicherweise verfügte mein Gehirn über einen Stand-By-Modus, in den es sich nach einigen Minuten versetzte. Ich hörte ihr wirklich gern zu, aber das waren mir zu viele Informationen auf einmal.

Aber das konnte doch unmöglich Charlie sein. Nicht meine Cousine Charlotte. Aber sie hatte sich, seit sie endlich bei Glenda ausgezogen war, total verändert. Also natürlich nur im positiven Sinne. Sie war netter, offener und auch wirklich normaler geworden.

Als sie dann nach gefühlten Stunden endlich mal eine Pause machte, von ihrem Max zu schwärmen, ergriff ich wieder das Wort. „Wir könnten ja mal ein „Vierer-Date“ machen. Du, Max, Gid und ich. Oder auch mal ein „Sechser-Date“, bei dem Les und Raphael mitkommen können“, schlug ich vor. „Oh, das wäre ja so wunderbar! Dann könnte ich euch auch endlich einander vorstellen!“ Sie war Feuer und Flamme für diese Idee. Das konnte man auch an ihren Augen erkennen, welche wie Sterne funkelten. So hätte ich sie mir nie vorstellen können, als sie noch die reinste Zicke war.

Wenn ihre Mutter nun hier gewesen wäre, hätte sie das Benehmen ihrer Tochter bestimmt wieder auf mich zurückgeführt und wahrscheinlich noch mit den Worten: „Charlotte, Gwendolyn hat einen schlechten Einfluss auf dich!“ und/ oder: „Gwendolyn, halt dich gefälligst von meiner perfekten Tochter fern!“ Ich ließ die Szene vor meinem inneren/ geistigen Auge abspielen. Plötzlich musste ich schmunzeln, denn aus meiner hochnäsigen, arroganten Cousine Charlotte war nun meine zweitbeste Freundin Charlie geworden.

Das war vor zirka ein-einhalb-Jahren gewesen, nachdem sie eingesehen hatte, dass Gideon mich wirklich liebte, er für sie doch nur eine Schwärmerei gewesen war, ihre Mutter ihr nur Lügen über alles und jeden und vor allem über mich ins Ohr gesetzt, und sich selbst schlussendlich für alles bei mir und allen anderen entschuldigt hatte. Ich konnte ihr damals einfach nicht mehr böse sein. Klar hatte sie mir mein Leben bis dorthin zur Hölle gemacht, aber ich kann doch niemandem lange böse sein. Seit der Entschuldigung war sie also meine zweitbeste Freundin; direkt nach Leslie, welche wirklich niemand von dem Platz in meinem Herzen als meine allerbeste Freundin verdrängen könnte.

Charlie holte mich aus meinen Gedanken zurück in die Realität und Gegenwart, indem sie ihre Augenbrauen hochzog und mich fragte: „Woran denkst du gerade?“, was mich zusammenzucken ließ. „Doch nicht etwa an meinen Max, oder?“ Während sie das sagte, zog sie, wenn das denn überhaupt ging, ihre Augenbrauen noch höher.

Wie sie das „meinen Max“ ausgesprochen und dabei betont hatte… Das ließ mich gleich wieder an Gideon denken, der auch allen Jungs, die mir hinterhersahen, klar machte, dass ich „seine Gwenny“ war. „Nein, was denkst du denn von mir? Ich habe meinen Gid, da brauche ich doch gar nicht an deinen Max denken!“, gab ich lachend zurück. „Und an was dachtest du dann?“, fragte mich meine Cousine immer noch mit hochgezogenen Augenbrauen, wenn sie auch nicht mehr so hochgezogen waren wie zuvor, und einem interessierten Ausdruck in ihrem Gesicht.

„Ach, an nichts Besonderes“, antwortete ich auf ihre Frage, kurz bevor ich hörte, wie jemand den Schlüssel im Haustürschloss umdrehte.

 

Charlie hatte das Geräusch scheinbar auch vernommen, weshalb sie mich auch an stupste und mir zuflüsterte: „Ich denke, das „nichts Besondere“ ist soeben heimgekommen.“ Sofort bemerkte ich, wie mein Gesicht wieder warm wurde, und so schloss ich, dass mein Gesicht wieder mal aussah wie eine Tomate. Als Charlie mir ins Gesicht sah, musste sie sich wirklich ein Lachen verkneifen, das konnte man ihr ansehen.

Plötzlich wurde dieser peinliche Moment unterbrochen, denn die Tür flog auf und ein strahlender Gideon kam durch sie hindurch gerannt. Als er mich sah, wurde sein Grinsen und Strahlen nur noch breiter, was eigentlich gar nicht mehr möglich war, doch er schaffte es. Ich stand auf und rannte ihm entgegen. Als ich bei ihm angelangt war, hob er mich hoch und drückte mich an sich. Ich konnte gar nicht anders, als freudig zu lachen. Nachdem er hinter mich gesehen hatte, ließ er mich wieder auf den Boden und nahm auch die leicht verdatterte Charlotte in eine freundschaftliche Umarmung. Charlie hatte noch immer einen verwirrten Gesichtsausdruck, was mir sagte, dass sie mit der Situation leicht überfordert war. Als Gideon mich nochmals stürmisch umarmt hatte, ließ er sich auf das Sofa fallen und sah uns nur noch überglücklich an. Ich wusste ja, dass heute seine letzten Prüfungen gewesen waren, aber so gut gelaunt hätte ich ihn nun wirklich nicht erwartet. Da war doch was im Busch!

„Was ist los, Gid?“, fragte ich ihn, woraufhin er mich nur noch breiter angrinste.
„Hallo! Erde an Gideon! Ist jemand zuhause?“, half mir Charlie.
„Ja!“, sagte Gideon verträumt. „Meine Gwenny ist zuhause.“

Aha. Ich hatte das Gefühl, dass bei Gideon wohl einige Sicherungen durchgebrannt waren. Ansonsten hätte ich mir die Situation nicht anders erklären können.
„Aha“, machte nun auch Charlie und sah mich Schultern zuckend an, womit sie mir zu verstehen geben wollte: ‚Nix zu machen‘

Meinen Blick richtete ich auf die Uhr, die an der Wand hinter dem Sofa hing, und augenblicklich erschrak ich, denn Charlie hätte schon vor einigen Minuten losgemusst, denn bei ihren Schwärmereien vorhin war mir, auch wenn ich mein Gehirn eine Weile auf Stand-By gestanden hatte, nicht entgangen, dass sie heute Abend noch ein Date mit Max haben würde.

„Ähm Charlie, du solltest los, wenn du noch rechtzeitig zu deinem Date mit Max kommen willst“, machte ich sie auf die Uhrzeit aufmerksam. Sofort sah sie mich auch erschrocken an, rannte wie eine Irre durch die Wohnung und murmelte immer wieder „Scheiße“ vor sich hin, während sie vergeblich ihre Schuhe suchte. Endlich hatte sie sie gefunden und war auch schon auf dem Weg nach draußen, als sie „Ciao, bis die Tage“ rief und die Tür zuschlug.

Ich wandte mich Gideon wieder zu, der mich immer noch Grinsend ansah und sich auch noch immer nicht von der Stelle gerührt hatte. So langsam machte er mir Angst.

Plötzlich tätschelte er den Platz neben sich auf dem Sofa und gab mir zu verstehen, dass ich mich dahin setzen solle, doch sein Gesichtsausdruck blieb derselbe. Also setzte ich mich neben ihn und keine Sekunde später hatte mich Gideon auch schon gepackt und ganz eng an sich gezogen.

„Meine Gwenny“, murmelte er währenddessen immer und immer wieder in mein Ohr. Und auf einmal waren seine Lippen auf meinen und kaum hatte ich begriffen, was los war, erwiderte ich den Kuss. Es tat so gut und ich hatte das Gefühl, dass ich mich jeden Tag neu in Gideon verliebte. Und ich ihn jeden Tag mehr liebte.

Als mein Verstand sich wieder mal meldete, immerhin hatte er sich zuvor ohne ein weiteres Wort einfach so bei der Knutscherei abgemeldet, lag ich mit dem Rücken auf dem Sofa und Gideon über mir. Er hatte noch immer dieses Dauergrinsen im Gesicht. Irgendetwas stimmte wirklich nicht mit ihm.

„Was ist los Gideon?“, fragte ich erneut, da ich hoffte, dieses Mal eher zu ihm durchzudringen. Und überraschter Weise funktionierte es auch.
Mit einem Mal war das Dauergrinsen verschwunden und sein Gesichtsausdruck für mich undefinierbar geworden. Was aber auf jeden Fall zu erkennen war, war Schmerz. Großer Schmerz, das war aber auch das Einzige, was ich definieren konnte.

„Ich liebe dich einfach viel zu sehr, als dass ich dich gehen lassen könnte. Es würde mir das Herz brechen. Ich liebe dich!“
Ok, darauf war ich nicht gefasst. Und erst recht nicht auf das, was danach kam.
In Gideons Augen sammelten sich Tränen an, die ihm auch gleich über die Wangen liefen und an seinem Kinn abperlten und auf mich hinuntertropften. Doch das machte mir reichlich wenig aus.

„Hey, alles ist gut. Ich bin hier und ich habe nicht vor, weg zu gehen. Ich will dich nicht verlassen. Das würde doch auch mir mein Herz brechen. Du bist der einzige Mann in meinem Leben neben meinem Dad und vielleicht mal unserem Sohn, sollten wir einen Sohn bekommen und das weißt du auch.“
Kaum dass ich dies ausgesprochen hatte, verschwanden die Tränen aus seinen Augen so schnell, wie sie gekommen waren.

„Wirklich?“, fragte er mit brüchiger Stimme.
„Natürlich. Wieso sollte ich dich denn auch anlügen?“
„Und du willst wirklich mal mit mir ein Kind haben?“, fragte er mich weiter, worauf ich nur nicken, den Blick nicht abwenden konnte und ihm eine lange Zeit tief in die Augen sah, damit er auch verstand, dass ich es ernst meinte.
Gideons Gesicht hellte sich auf und Erleichterung breitete sich dort aus, wo bis vor kurzem noch der Schmerz Herrscher war.

„Wie kommst du eigentlich darauf, dass ich dich verlassen würde oder gar weg gehen würde?“, fragte ich ihn, als er sich von mir runtergesetzt und neben mich auf das Sofa gekuschelt hatte.
„Ich…“, fing er an. „Ich hab vorhin elapsiert und bin mit dem versteckten Schlüssel und der Patrole deines Großvaters rausgegangen und hab mich mit deinen Eltern getroffen. Die Beiden waren ziemlich niedergeschlagen und…“
Seine Stimme versagte augenblicklich, als er dies sagte. Ich wusste, dass ich den Rest lieber nicht hören wollte. Woher ich diese Ahnung hatte, wusste ich nicht, aber ich wollte es wirklich lieber nicht hören, wenn das, was in der Vergangenheit passiert war und was meine Eltern so niedergeschlagen gemacht hatte, selbst bei Gideon einen so starken Schaden hinterließ.

„Scht, hey Gideon, ich bin hier. Es ist alles in Ordnung.“, beruhigte ich ihn, da er wieder den Tränen sehr nahe gekommen war.
„Ja, du bist hier. Und du bist meine Gwenny.“, sagte er wohl eher zu sich selbst und warf mir dabei einen verliebten Blick zu. Er seufzte, was mein Herz zum Schmelzen brachte.
Ich kuschelte mich an ihn dran und im nächsten Moment hörte ich ein leises Schnarchen an meinem Ohr. Als ich meinen Kopf leicht drehte, sah ich, dass mein Schatz bereits eingeschlafen war und wohl auch schon im Land der Träume war, denn er murmelte die ganze Zeit „meine Gwenny“ und „meine Gwenny ist bei mir“ vor sich hin.

Als er wieder mal „meine Gwenny ist bei mir für Immer und ewig“ vor sich hin murmelte, konnte ich mir ein verliebtes Seufzen nicht verkneifen, schmunzelte vor mich hin und murmelte zurück: „Ich bin bei dir. Für immer und ewig und für alle Zeit.“ Und schlief auch kurze Zeit an ihn gelehnt ein.








Zuletzt geändert: 14.11.2016 21:22:05

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