Forever And Ever - I Am Lost Without You


3. Immer wieder Störungen


„Also wirklich! Das hier ist eine Kirche und kein Zuchthaus! Was denken und erlauben Sie sich?! Junge Leute… wirklich kein Anstand!“ Anfangs dachte ich, es könnte vielleicht Xemi sein, weswegen ich Gideon auch nicht gleich wegdrückte wie das letzte Mal, als ich nicht bemerkt hatte, dass Xemi nur ein Dämon war, den Gid gar nicht sehen konnte und weshalb er wohl etwas verstört gewesen sein musste.

Doch da fiel mir ein, dass Xemerius seit ich ihn hier – und zwar genau hier – kennengelernt hatte, einen großen Bogen um diese Kirche machte und dass auch Gideon scheinbar die Stimme gehört hatte. Blitzschnell lösten wir uns voneinander und sahen vor uns eine wütende alte Frau, welche uns noch immer einen Vortrag darüber hielt, dass das, was wir soeben gemacht hatten, ihrer Meinung nicht in eine christliche Kirche gehörte. Ich hatte mein Hirn bereits nach kurzer Zeit auf „stand by“ stehen, weshalb ich nicht wirklich mitbekam, was sie uns sagte.

Schnell stiegen mein Schatz und ich aus dem Beichtstuhl und rannten so schnell wie wir konnten aus dem Gotteshaus raus. Ich hörte die alte Frau noch wütend hinter und her rufen, darunter auch einige Schimpfwörter und Beschimpfungen, bei denen ich mir dachte, dass diese ganz bestimmt nicht in eine Kirche gehören würden.

Endlich draußen blieben wir stehen, da wir beide ganz schön aus der Puste waren. Zum einen wegen des – im wahrsten Sinne des Wortes - atemberaubenden Kuss und zum anderen aufgrund des rekordverdächtigen Sprints, welchen wir soeben hingelegt hatten.

Aber es war ja klar, dass immer, wenn man etwas Rekordverdächtiges tat, kein Guinness – World – Records – Mitarbeiter oder so dabei war, um es zu dokumentieren.

Als wir endlich wieder atmen konnten, sahen wir uns an, nur um im nächsten Moment in schallendem Gelächter auszubrechen. Nach zirka zehn Minuten hatten wir uns wieder einigermaßen eingekriegt, um uns auf den Weg nach Temple zu machen. Besser gesagt riefen wir dort an, denn zu Fuß wären wir wohl eine Ewigkeit unterwegs gewesen.

Als Falk endlich ran ging, sagten wir ihm, er solle uns so schnell wie möglich eine Limo vorbeischicken.

Scheinbar war ausnahmsweise mal kein großer Verkehr hier in London, denn die Limousine war erstaunlich schnell bei uns.

In ihr saßen – wie gewöhnlich – Mr. George und die Tomate namens Mr. Marley. Wenn ich so darüber nachdenke, war das ja eigentlich eine Beleidigung für alle Tomaten, aber lassen wir das.

Ich zerbrach mir stattdessen den Kopf darüber, warum beide, also Mr. George und Tomate, uns gemeinsam abholten. Sonst war es ein „entweder Mr. George oder Streber“ gewesen, doch nun war es ein „Mr George UND Streber“.

Scheinbar hatte man mir ansehen können, worüber ich gerade nachgedacht hatte oder Mr. George konnte einfach Gedanken lesen, denn als wir in der Limo saßen und bereits losgefahren waren, sagte er: „Mr. Marley hatte darauf bestanden, dass er mitkommt, um euch abzuholen. Aber scheinbar war er eher darauf scharf gewesen, dich Gwendolyn, abzuholen, da er andauernd damit anfing, dass er, ich zitiere: „Gwendolyn abholen darf“. Dich, Gideon, hat er entweder andauernd vergessen oder es war Absicht gewesen, dass er dich so gut wie nie miteingeschlossen hatte.“

Glücklicherweise war die Tomate vorne eingestiegen und konnte uns dank der Abtrennung weder hören noch sehen. Der Erfinder dieser Dinger gehört heiliggesprochen.

Gideon spannte sich augenblicklich an, als er das hörte, denn er ging ja schon lange davon aus, dass der Streber sich an mich ranmachen wollte.

„Wenn ich den erwische…“ raunte er so leise, dass nur ich es verstand.

„Hey“, versuchte ich ihn wieder zu beruhigen, „ keine Sorge. Für mich gibt es nur dich“ Ich flüsterte es ganz leise in sein Ohr, denn ich wollte nicht, dass Mr. George es auch mitbekam. Sofort schien sich mein Schatz wieder zu entspannen und flüsterte mir, ebenfalls darauf achtend, dass Mr. George nichts davon mitbekam, ins Ohr: „Und für mich gibt und wird es immer nur dich geben.“

Das veranlasste mich, mich wieder an ihn zu kuscheln. Das gerade eben war so süß gewesen, dass mein Herz immer schneller schlug und meine Schmetterlingsfarm in meinem Bauch scheinbar wieder geöffnet hatte.

Gideon war so schön war und roch so gut und ich fühlte mich einfach so geborgen, dass ich die Augen schloss und kurz leise aber glücklich seufzen musste. Ich hätte so die ganze Zeit meines ewigen Lebens verbringen können, doch ich wurde von einem lauten Hupen gestört und aus meinen Gedanken gerissen. ‚Wieso muss eigentlich immer jemand stören? ‘, dachte ich mir und setzte mich mit einem Seufzen wieder gerade hin.

Gideon sah mich mit einem verliebten Lächeln an, welches ich nur erwidern konnte. Mr. George hing wohl gerade seinen eigenen Gedanken nach. Er saß auf der gegenüberliegenden Sitzreihe und sah aus dem Fenster hinaus, wobei er irgendwie anders aussah als sonst, denn irgendwie hatte sein Blick etwas verliebtes in sich, woraus ich schloss, dass er vielleicht gerade an seine Jugend und vielleicht auch an seine Jugendliebe oder seine große Liebe gedacht hatte.

Plötzlich riss ein hochroter Mr. Marley meine Tür auf und stotterte etwas wie „…angekommen…wollen nicht zu spät kommen…aussteigen…“ Jetzt erst fiel mir auf, dass wir bereits in Temple angekommen waren. Ich hatte nicht einmal gemerkt, wie der Wagen angehalten hatte.

Ich verstand, was die Tomate sagen wollte und stieg mit Gideon und Mr. George im Schlepptau aus, wobei ich darauf achtete, nicht die Hand des Strebers zu nehmen. Der würde sich sonst vielleicht noch Illusionen machen oder gar denken, er sei mit mir zusammen, nur weil ich seine Hand genommen hatte. Und das war das Letzte was ich wollte.

Glücklicherweise lief die Tomate bereits voraus und redete wohl mit sich selbst oder dachte er vielleicht, ich würde neben ihm herlaufen? Ganz bestimmt nicht.

Ich wartete stattdessen auf meine Freund, der nicht lange auf sich warten ließ. Als er neben mir stand, schlang er seinen Arm um meine Hüfte und küsste mich. Oh, wie ich seine Küsse liebte.

Nach dem Kuss, der - meiner Ansicht nach - viel zu kurz war, liefen wir zusammen auf das große Gebäude vor uns zu…

 

Zu aller Erst mussten wir zu Madame Rossini, damit wir aus diesem „Altmodischen Fummel“, wie Gideon es bezeichnete, rauskamen und unsere, wie ich fand, bedeutend bequemeren Klamotten anziehen konnten.

Daraufhin mussten wir zu meinem Onkel, der schon ganz gespannt war auf unseren Bericht und alles haargenau wissen wollte. Wir ließen natürlich das Rumgeknutschte in der Kirche und das darauffolgende Treffen mit der alten Dame wegfallen.

Falk war, auch wenn er meinen Dad und seinen Bruder, der ja ein- und dieselbe Person war, nicht wirklich mochte, doch sehr erfreut zu hören, das Paul und Lucy ein Kind erwarteten. Wir mussten ihm außerdem gefühlte tausend Mal hoch und heilige versprechen, dass wir, wenn wir das nächste Mal zu meinen Eltern reisen würden (natürlich nur, wenn es nach dem heutigen Gespräch in ihrer Zeit war), ihnen von Falk die allerbesten Glückwünsche ausrichten würden. So langsam hatte ich das Gefühl, dass mein Dad Falk doch mehr bedeutet, als er zugibt.

 

Als unser Gespräch mit meinem Onkel beendet war, machten Gid und ich uns auf den Weg zu ihm nach Hause, was ja nun auch mein Zuhause sein würde. Grace hatte schon zugestimmt, als ich sie das erste Mal gefragt hatte, ob ich bei Gideon wohnen dürfte. Doch mir hatte noch die Zustimmung von Lucy und Paul gefehlt, denn Gideon meinte, dass erst, wenn meine leiblichen Eltern auch nichts dagegen hätten, ich zu ihm ziehen dürfte, da sie sich ansonsten wohl übergangen und/oder hintergangen gefühlt hätten, denn irgendwann hätten sie es wohl doch irgendwie herausbekommen.

Doch ich hatte schon im Voraus so ein Gefühl gehabt, dass auch die Beiden zustimmen würden, weshalb ich auch schon meine Klamotten und die anderen Dinge von mir zu Gideon gebracht hatte. Somit musste ich sie nur noch auspacken…








Zuletzt geändert: 14.11.2016 21:22:05

Text & Design © 2012-2017 by &
Impressum