Forever And Ever - I Am Lost Without You


14. Hölle auf Erden


Als ich wieder erwachte, machte sich augenblicklich ein höllischer Schmerz an meinem Hinterkopf bemerkbar. Von ihm aus merkte ich eine Flüssigkeit, die langsam an meinem Hals hinunterlief. Sofort wusste ich, dass es sich wohl um eine große – wenn nicht sogar riesige – Platzwunde handeln musste. Ich wollte sie schmerzende Wunde betasten, um das grobe Ausmaß bestimmen zu können, doch ich musste feststellen, dass ich meine Hände und Arme aufgrund einer Fessel nicht bewegen konnte.
Auch meine Füße und Beine waren angekettet, wie ich feststellte, als ich auch sie bewegen wollte.

Vorsichtig öffnete ich mein rechtes Auge, um meine Umgebung zu inspizieren, musste dieses jedoch gleich wieder schließen, weil mich das grelle Licht blendete.

Ich wagte es, erneut das Auge zu öffnen, dieses Mal jedoch langsamer und vorsichtiger, sodass ich es nicht wieder aus Reflex schloss. Nun riss ich jedoch mit einem Schlag meine Augen auf, denn ich musste mit Schrecken feststellen, dass ich auf einer Art Operationstisch lag und um diesen herum die außergewöhnlichsten Folterinstrumente aufgereiht waren. Die Wände um mich herum waren weiß und kahl und genau diese Leere wirkte kalt auf mich. Kalt wie der Schnee, nur dass Schnee noch etwas Beruhigendes für mich hatte.

Ich wollte schreien, doch ein Stoff, welcher in meinen Mund gedrückt war, vereitelte dies.

Nach vielen, jedoch auch hoffnungslosen Versuchen, auch nur einen Ton herauszubringen, gab ich erschöpft auf und schloss meine Augen. Wenigstens hatte ich meine Kleidung noch an, was wenigstens ein kleiner Trost war. Denn dadurch konnte ich sicher sein, dass sich noch niemand etwas mit mir gemacht hatte, außer mich hierher zu bringen und hier anzuketten.

Wenige Minuten später vernahm ich ein Geräusch, welches ausnahmsweise mal nicht mein Herzschlag oder Atem war. Es hörte sich an, als wäre eine Tür geöffnet und kurz darauf wieder geschlossen worden.

Hastig schlug ich meine Augen auf und sah in ein allzu bekanntes Gesicht.

 

„Guten Morgen, Gwendolyn. Hast du gut geschlafen?“, fragte er mit einem hässlichen Grinsen im Gesicht, das ich mir bei ihm nie hätte vorstellen können. Aber als ich ihn mir so ansah, erkannte ich viele Eigenschaften bei ihm wieder, die auch seine Vorfahren vorweisen konnten…

Ich wollte ihn fragen, weshalb er dies hier tat, doch durch den Knebel funktionierte dies nicht einmal ansatzweise. Doch als habe er meine Gedanken gelesen, beantwortete er mir diese einen Moment später: „Wie du sicher weißt, steht meine Familie schon seit Generationen im Dienst des Grafens. Und ich werde meine Familientradition fortführen und ihm seinen größten Wunsch erfüllen. Und zwar ihn unsterblich machen, indem ich dich töte.“

Irgendwie hatte ich mir schon so etwas in der Art gedacht.

Doch was auch immer dieser Psycho machen wollte, ich war auch noch immer unsterblich und so schnell wollte ich mein Leben auch nicht aufgeben. Und sollten sie mich foltern, was ich mir aufgrund der Instrumente um mich herum gut vorstellen konnte – ich würde nicht aufgeben.

„Und nicht, dass du dir noch unnötig Hoffnung machst: Ich weiß, dass du unsterblich bist. Doch ich werde dich in den Wahnsinn treiben, sodass du dein Leben hassen und aufgeben wirst.“

Ohne Gestotter, wie ich es sonst von ihm gewohnt war, mit ekelerregenden Unterton sowie Wahnsinn in der Stimme, hatte er dies klar gemacht und mir dabei noch unverfroren in die Augen gesehen.

Das einzige, was ich nun verspürte, war abgrundtiefe Abscheu gegenüber ihm. Keine Angst fühlte ich. Und auch als er nach dieser Rede eines der Foltergerätschaften zu Hand nahm und anfing, mich zu foltern, spürte ich sie nicht.

 

Er hatte sich nicht einmal die Mühe gemacht, mir meine Kleidung auszuziehen oder so etwas in der Art, sodass diese vollkommen zerfleddert und zerrissen wurde.

Gerne hätte ich geschrien, denn die Schmerzen waren schrecklich, doch noch immer bekam ich keinen Laut heraus. Es tat fürchterlich weh. So sehr, dass man den Schmerz gar nicht in Worte fassen konnte.
Doch aufgeben würde ich nicht. Diesen Gefallen würde ich dem Grafen nicht tun.

 

Nach einer schrecklichen und beinahe unerträglichen Folter, ließ mein Peiniger von mir ab und verschwand wieder ohne ein weiteres Wort. Er ließ mich, den Schmerz und meine Tränen alleine.

Mein gesamter Körper war geschunden - Nun ja, zumindest der größte Teil – und ich zitterte am ganzen Leib. Die Elektroschocks, Peitschenhiebe, Krampfspritzen und die ganzen anderen Methoden, die er bei mir angewendet hatte, hatten mir alle Kraft geraubt.

Ich hoffte von ganzem Herzen, jemand würde mich aus dieser Hölle herausholen. Und dass dieser jemand vielleicht mein Gideon sein würde, denn ich spürte bereits, dass ich diese Folter nicht lange ertragen und irgendwann aufgeben würde.

Doch noch war es nicht so weit. Die Zeit zum Aufgeben war noch nicht gekommen.

 

Ich wusste nicht, wie lange ich schon hier lag. Genauso wie ich nicht wusste, wie lange ich ohnmächtig war oder wie lange meine Vergewaltigung gedauert hatte.

Aber ich lag hier und auf einen Schlag überrumpelte mich eine Müdigkeit, wie ich sie noch nie gespürt hatte. All der Schmerz wurde stärker und so nahm ich das Angebot, mich in meine Traumwelt zurückzuziehen, mit der Hoffnung, von Alpträumen verschont zu bleiben, mit Dank an.

Meine Augen fielen mir zu und die Dunkelheit trug mich mit sich in ein fernes Land. In eine ferne Welt. Dort gab es keine bösen Grafen, keine seiner Handlanger und auch keine Folter. Hier gab es nur Gideon, mich und unsere Freunde. Wie gerne würde ich hierbleiben, doch ich wusste, dass ich, wenn ich mich endgültig für das hier entscheiden würde, nicht mehr zurück könnte.

Wie verlockend sich das auch anhörte, ich wusste doch, dass dies hier nicht die Realität war.

Mein Traum-Gideon war so unwirklich wie unsere Traum-Küsse. Es war nicht das gleiche wie wenn er mich wirklich küsste.

Nein, ich kam zwar gerne in meinen Träumen einige Stunden hier her, aber für immer wollte ich das nicht. Auch nicht, wenn in der Realität Folter auf mich wartete.

Und somit wachte ich wieder auf. Jedoch befand ich mich nicht mehr auf dem Tisch, sondern auf dem Boden, mit einer Kette um den Knöchel meines linken Fußes an die Wand gekettet.

Auch der Raum hatte sich verändert. Eine kleine Glühbirne spendete ein wenig Licht, sodass ich den Raum genauer begutachten konnte. Die Wände waren aus massivem Stein und auf dem Steinboden war ein Bettlager, welches größten Teils aus Stroh und Decken bestand, hergerichtet. In der anderen Ecke des kleine Raumes – oder eher der kleinen Kammer – stand ein Tisch an der Wand, auf dem Teller und Becher standen. Neben dem Tisch stand ein kleiner Kübel, den ich als Toilettenersatz identifizierte. Die Tür, welche auf der anderen Seite des Tisches angebracht war, ähnelte einer dieser Sicherheitstüren in Banken, hinter denen das ganze Geld in den Geldspeichern aufbewahrt wurde.

Ich sah also keine Fluchtmöglichkeit, denn die Tür war der einzige Zugang in diesen und auch der einzige Ausgang aus diesem Raum, da es keine Fenster oder ähnliches gab.

Aufgrund des Hungers, den ich verspürte, da ich seit langer Zeit nichts mehr zwischen die Zähne bekommen hatte, schleppte ich mich zu dem Holztisch und ließ mich vorsichtig auf dem Stuhl nieder. Jede Bewegung tat weh und das Sitzen machte es nicht gerade besser.

Unter den Schmerzen stöhnend griff ich nach dem Butterbrot und dem Wasser. Viel zu schnell war beides leer und mein Hunger nicht mehr so stark wie noch zuvor. Zwar war noch immer etwas von ihm übrig, aber ich hatte ja nichts mehr, um ihn zu besänftigen, also musste mein Magen das nun so hinnehmen.

Ich stand auf, erledigte noch mein Geschäft in den Kübel und legte mich auf das Bettlager. Wie gut, dass die Kette gerade so lang war, dass ich in jeden Winkel des Raumes oder besser gesagt meines Gefängnisses ohne große Probleme gelangen konnte.

Meine Gedanken schweiften, nachdem ich mich hingelegt hatte, zu meinem Freund ab. Hoffentlich ging es ihm gut oder zumindest besser als mir. So etwas, was ich gerade miterlebte, wünschte ich gerade niemandem. Außer vielleicht dem Grafen und seinen Gehilfen.

Mit den Gedanken bei Gideon fiel ich wieder in einen tiefen Schlaf.

 

Ich träumte von Gideon, wie er mit Les, Raph, Charlie und allen anderen verzweifelt nach mir suchte. Schweißgebadet wachte ich wieder auf und fand mich abermals auf dem Foltertisch wieder.

Nein, ich wollte nicht noch einmal.
Doch ich musste stark sein. Stark für alle, die mir wichtig waren.

Und dann fing er wieder an.

Während der Folter rief ich mir alle ins Gedächtnis, für wen es sich lohnte, zu kämpfen und weiterzuleben. Da waren meine Eltern – Lucy und Paul sowie Grace und Nicholas. Sie würden nicht wollen, dass ich so einfach aufgab. Letzterer bestimmt besonders, denn auch Nicholas hatte gegen die Krankheit gekämpft, auch wenn er schlussendlich den Kampf verloren hatte.
Dann waren da noch Leslie und Raphael, die immer für mich da waren, wenn ich Hilfe gebraucht hatte. Ich war ihnen noch so vieles schuldig. Das musste ich alles noch ausgleichen!
Und Charlotte mit ihrem Max. Diesen wollte ich doch noch kennenlernen!
Mein Bruder Will und meine Halbgeschwister Nick und Caroline würden auch nicht wollen, dass ich mich einfach so geschlagen gab. Sie hatten mir immer gesagt, ich wäre eines ihrer größten Idole gewesen. Und als Idol gibt man doch nicht einfach so auf!

Und dann war da noch derjenige, für den ich ganz besonders kämpfte.
Gideon.
Ich wollte ihn nicht alleine lassen. Nein.

 

Die Folter schien mir um Stunden länger zu sein als die Erste.

Mir rannen die Tränen in Sturzbächen hinunter und der Schmerz wurde immer schlimmer und unerträglicher. Irgendwann merkte ich, wie die Ohnmacht näher rückte, doch kurz bevor sie mich erreicht hatte, wurde meine Vergewaltigung abgebrochen.

Wieder ging mein Vergewaltiger aus dem Raum, kam jedoch einige Minuten später mit dem Wort „Planänderung“ wieder zurück. In seiner Hand hielt er ein großes Küchenmesser, was mich unwillkürlich an mein japanisches Gemüsemesser, welches ich vor einigen Jahren jeden Tag mit mir herumtrug, denken ließ.

 

„Da du ja nicht von alleine sterben willst, muss ich wohl noch ein bisschen nachhelfen.“

Meine Augen waren bei seinen Worten immer größer geworden. Hatte er plötzlich vergessen, dass ich unsterblich war?

Doch diese Frage verneinte er, als habe er meine Gedanken wieder einmal gelesen. So langsam machte er mir damit Angst. Er erklärte mir in einer gleichgültigen Stimmlage, dass er nun einen neuen Plan habe. Langsam kam er auf mich zu und in mir machte sich das sonst so nervige, aber in dieser Situation mehr als erwünschte Schwindelgefühl breit. Wie lange war ich schon nicht mehr elapsiert?

Plötzlich kam mein Peiniger ungewöhnlich schnell auf mich zu und rammte mir das Messer einige Zentimeter unter meinem Herzen in die linke Brust. Der Schmerz war nicht minder als die Schmerzen der Folter, doch hob er sich auch nicht wirklich von ihnen ab.

Kalter Schweiß rann mir von der Stirn und auch überall auf meinem geschunden Körper spürte ich die Flüssigkeit, die aufgrund des vielen Blutverlustes austrat. Und dann kam die erlösende Dunkelheit. Aber sterben wollte ich ja eigentlich nicht…

Ich befand mich kurze Zeit später wieder einmal als Geist in der Luft und sah auf meinen Körper hinunter. Dort, wo mein Herz hätte sein sollen, war nur noch ein großes rotes Loch. Man hatte mir mein Herz herausgeschnitten… Von meinem Vergewaltiger und nun auch Mörder war nichts mehr zu sehen.

Ich versuchte, in meinen Körper wieder hineinzugelangen, doch dadurch, dass sich mein Herz nicht an seiner rechtmäßigen Stelle befand, war dies nicht mehr möglich. Leise weinte ich als Geist vor mich hin, bis ich einen Entschluss fasste.

Schnell schwebte ich als Geist durch die Tür hinaus auf den Flur und stellte fest, dass niemand dort war. Aber wir waren scheinbar in Temple, denn der Aufbau der Flure war der gleiche.

Durch Wände hindurch fliegen war irgendwie merkwürdig, aber im Moment mehr als hilfreich. Es fühlte sich an, als würde man durch eine Wattewolke laufen, aber dabei keinen Widerstand wahrnehmen.

 

Mit dieser Hilfe konnte ich ohne Probleme durch die Decken bis hoch in die erste Etage gelangen. Ich wusste gar nicht, dass es in Temple so viele unterirdische Etagen gab. Oben angekommen, machte ich mich auf den Weg in den Drachensaal, in der Hoffnung, dort denjenigen zu finden, den ich suchte.

 

Und wirklich fand ich ihn dort. Alle Wächter waren versammelt, darunter auch jemand, den ich im Moment am meisten verhasste. Doch zu ihm würde ich ein anderes Mal kommen. Im Moment war jemand ganz anderes viel wichtiger.

Aber ich wurde durch das Gespräch abgelenkt, welches im Moment von den Wächtern geführt wurde.
Marley und die anderen Adepten wurden gerade hinausgeschickt, da sie noch nicht den nötigen Rang hatten. Kaum waren sie zur Tür hinausgegangen und eine Wache vor die Tür gestellt, damit auch niemand lauschen konnte, fing Falk auch schon an: „Es ist hier nicht mehr sicher. Wir können nicht noch ein weiteres Leben aufs Spiel setzen.“

Man sah ihm deutlich an, dass er mit den Nerven am Ende war und die Tränen nur noch so zurückhalten konnte.

„Da meine geliebte Nichte noch immer nicht wieder gefunden ist, müssen wir mit allem rechnen. Und daher müssen wir Gideon so gut es geht schützen.“ Genannter erhob sich. Seine Augen waren gezeichnet vom Weinen und er sah ganz blass aus. Und auch wenn er so schrecklich aussah, war ich doch überglücklich, dass er am Leben war und anscheinend auch keiner Vergewaltigung zum Opfer gefallen war.
Am liebsten hätte ich ihn in den Arm genommen, doch das ging jetzt nicht.

„Wie willst du das machen?“, fragte er mit ein wenig Unsicherheit in der Stimme.
„Eigentlich hatten wir nach dem Vorfall in eurer Wohnung vorgehabt, euch zusammen weit weg von hier zu verstecken. Doch da Gwendolyn nun nicht da ist, können wir nun nur dich dort verstecken. Dein Zug geht übermorgen in der Früh.“ Wenn es überhaupt noch ging, wurde mein Freund nun noch blasser als vorher.

„Das… das kannst du doch nicht machen!“, stotterte er anfangs und wurde immer lauter und wütender.

„Ich muss sie doch suchen! Ich kann sie doch nicht so einfach aufgeben…“, schluchzte er, sank wieder in seinem Sitz zusammen und weinte leise vor sich hin. Still liefen ihm Tränen über die Wangen und alle anderen sahen ihn nur mitleidig an.

„Wir versprechen dir, wir werden sie weiter suchen. Aber wir können nicht auch noch verschulden, dass dir etwas passiert.“ Auch Falk liefen nun die Tränen herunter, doch er wischte sie schnell wieder weg.

„Wie gesagt: Übermorgen geht dein Zug. Pack also bitte alle deine Sachen zusammen und sei bitte pünktlich um 8 Uhr am Bahnhof.“ Gideon sah ihn ungläubig an, stand auf und stürmte aus dem Raum.

 

Auch die anderen Wächter machten sich nun auf den Weg und somit waren nur noch er, den ich nun brauchte, und meine Wenigkeit im Raum…








Zuletzt geändert: 14.11.2016 21:22:05

Text & Design © 2012-2017 by &
Impressum