Forever And Ever - I Am Lost Without You


12. Lobe, solange du noch kannst


 

An unserer Haustür angekommen, kramte ich in meinen Hosen- und Jackentaschen nach meinem Schlüssel, doch fand ihn nicht. Was für ein Glück, dass Gideon bei mir war und seinen Kopf sowie Schlüssel nicht irgendwo auf dem Weg verloren oder vergessen hatte. Wie gut, dass ich einen so wundervollen Freund hatte, der auch wirklich an alles dachte.

„Musst halt besser auf deine Sachen aufpassen!“, erklärte mir Gideon mit einem ironischen Unterton in der Stimme und einem gehässigen Lächeln im Gesicht, während er unser Haus aufschloss.

Und da war er wieder. Mein geliebter Kotzbrocken, den er schon am Anfang unseres ersten Treffens raushängen gelassen hatte.

Als die Tür endgültig geöffnet war, gingen wir ins Innere der Wohnung. Auf dem Weg ins Wohnzimmer fiel mir wieder das Chaos dort ein, welches ich heute Morgen eigentlich ja schon erledigen wollte, es aber glatt vergessen hatte.
Schnell hastete ich auf das Wohnzimmer zu, mit der festen Überzeugung, schnell den Boden zu säubern, welcher voller Blut gewesen war.
Jemand ergriff jedoch noch in meinem Sprint mein Handgelenk und ließ mich dadurch noch in der Bewegung stillstehen.

In Gideons Gesicht, in das ich nun sah, nachdem ich mich zu ihm umgedreht hatte, konnte ich nichts als Verwirrung sehen.
„Was willst du machen?“, fragte er mich vorsichtig, als würde er meinen, ich hätte mich vielleicht noch nicht ganz von dem Schock des Morgens erholt haben oder wäre paranoid oder ähnliches.

Seine mögliche Vermutung mit dem Schock wurde durch mein Gestammel, welches durch den Sprint, die Anwesenheit von Gideon als auch durch den Gedanken an das blutverschmierte Wohnzimmer verursacht wurde, wohl nur noch bekräftigt.
„Ich…ich…Wohnzimmer…Blut…“
‚Toll, Gwen! So wird das nix! Der denkt doch, du gehörst in die geschlossene Anstalt!‘

Langsam nahm mich Gideon in den Arm. Er musste wirklich was-weiß-ich denken!

„Ich wollte doch nur das Blut im Wohnzimmer aufwischen…“, brachte ich an einem Stück heraus, worauf ich ehrlich Stolz war, als ich mich beruhigt und wieder von Gid gelöst hatte.

„Wirklich?“ Gids Frage klang ungläubig und ich konnte ihn verstehen, immerhin sah ich gerade aus wie jemand, der… Ja, wie sah ich im Moment eigentlich aus? Einen geeigneten Vergleich fand ich nicht, aber ich konnte es mir gut vorstellen, weshalb er so ungläubig auf meine Aussage reagierte.

„Ja.“
„Aber das hat Charlie doch heute Morgen schon erledigt. Als wir uns umgezogen haben.“, erklärte er mir.
„Echt?“

Jetzt war ich wirklich erstaunt. Aber ok, sie hatte ja auch genügend Zeit dafür gehabt, während ich gefühlte Stunden mit meinem Kuschelbären namens Gideon gekuschelt und geknutscht hatte, nachdem wir wieder angezogen waren…

„Ja. Also… Willst du was zum Abendessen?“
Da fragte er noch? Ich hatte seit dem Frühstück nichts mehr Richtiges zu essen gehabt.
„Klar! Was gibt es denn zu essen?“
„Mmh, mal überlegen… Wie wäre es mit Pfannkuchen?“
„Schon wieder?“

Das gab es beinahe jeden Tag und so langsam kam es mir schon zu den Ohren wieder raus. Demletzt hatte ich beim Duschen sogar schon Teig am Ohr gefunden… Auch wenn ich denke, dass das durch der Essensschlacht, die wir an dem Abend veranstaltet hatten, zu begründen war. Aber trotzdem: Ich konnte es nicht mehr sehen!

„Okay, okay! Wie wäre es dann mit Spaghetti?“

„Gideon!“, rief ich entrüstet und stemmte meine Hände in meine Seiten. Wenn es keine Pfannkuchen in den letzten Wochen gegeben hatte, gab es Spaghetti. Es konnte doch nicht sein, das er nur diese beiden Gerichte zubereiten konnte!

„Können wir nicht mal was anderes machen?“, fragte ich ihn mit Verzweiflung in meiner Stimme, die die Entrüstung verscheucht hatte.

„Lust auf Schnitzel mit Pommes?“, fragte er zaghaft, nachdem er einige Minuten fieberhaft überlegt hatte.
Schnitzel? Das hatte ich schon länger nicht mehr gehabt…
„Hm…“, fing ich langsam und langgestreckt an, um Gideon zu ärgern, was auch aufging.

Nun sah er echt absolut verzweifelt aus und hätte ich nicht so eine gute Selbstbeherrschung gehabt, hätte ich wahrscheinlich schon längst auf dem Boden gelegen vor Lachen.

„Das hört sich super an, Gidi!“, rief ich, um ihn nicht vollends in die Verzweiflung zu treiben. Entgeistert sah er mich an.

„Meinst du das jetzt wirklich ernst?“, fragte er mich, worauf ich nur lächelnd nicken konnte. Er stieg in mein Lächeln ein und somit lächelten wir uns nun um die Wette an.

„Gut, dann fang ich schon einmal damit an, das Essen zu machen. Und du kannst ja mal den Tisch decken. Ansonsten werden wir heute je nicht mehr fertig mit Essen“, teilte er mir mit einem fetten Grinsen im Gesicht mit und verschwand im nächsten Moment in der Küche. Jedoch nicht, ohne mir davor noch einen kurzen Kuss auf die Wange zu drücken. Die Stelle kribbelte noch einige Zeit später angenehm und ich denke, das wird sich auch niemals ändern, dass jede seiner Berührungen ein Kribbeln in mir hervorruft.

Mit diesem Kribbeln machte ich mich, während er sich in der Küche um das Panieren und Frittieren kümmerte, auf den Weg ins Wohnzimmer, wo ich eigentlich nur die Gläser holen wollte, die wir von gestern Abend noch dort stehen hatten.

Vor der Tür hielt ich nochmal inne, bevor ich zaghaft die Türklinge herunterdrückte, denn ein wenig Angst verspürte ich nun doch irgendwie.

Langsam drückte ich zusätzlich an der Tür, welche sich dadurch genauso langsam öffnete.

 

Ich bemerkte erst, dass ich die Luft angehalten hatte, als ich diese wieder ausstieß, als ich das Innere sah. Alles war wieder wie damals, als der Mord hier noch nicht stattgefunden hatte.

„Damals“; wie sich das schon anhört. Dabei war es doch erst heute Morgen passiert. Und so lange ist das nun auch wieder nicht her…

Mit schnellen Schritten war ich bei unserem Wohnzimmertisch und schnappte mir dort die Gläser. Obwohl ich mir sicher sein konnte, dass die Mörder hier nicht hätten sein können, hatte ich doch ein flaues Gefühl im Magen.

Schnell war ich auch – mit den Gläsern im Arm – wieder aus dem Wohnzimmer draußen und im Esszimmer. Als ich jedoch gerade die Teller aus einem der Schränke, die an der Wand hingen, nehmen wollte, erstarrte ich.

Denn außer den Tellern, Tassen und Tassenuntersetzern fand ich hier noch einiges mehr…

 

Ich wusste ja, dass Gideon heute Morgen einiges getrunken hatte, was Alkohol beinhaltete, aber das, was ich nun vor mir stehen hatte, überstieg alle meine Erwartungen.

Ich hatte die etlichen Flaschen aus dem Schrank genommen und auf den Esstisch gestellt, wo ich sie nun schon einige Minuten durchdringlich anstarrte. Das, was einmal in diesen Flaschen drin gewesen sein musste, war – laut dem Etikett – mit hoher Wahrscheinlichkeit hochprozentiger Alkohol gewesen. Gideon hätte sich damit eine Alkoholvergiftung einfangen können oder noch schlimmeres. Immerhin gehörte das zu einer der Arten, wie man Selbstmord begehen konnte.

Ich wusste zwar auch, dass mein Freund viel Alkohol vertrug, aber so viel doch wohl auch nicht, oder?

Bevor ich mir jedoch noch weitere Gedanken darüber machen konnte, ging die Tür auf und mein Schatz kam mit dem Essen in den Händen herein.

Als er jedoch mich mit den Flaschen vor mir stehen sah, wurde seine Miene augenblicklich dunkel und reumütig.

„Gid, willst du mir irgendetwas sagen? Vielleicht etwas, was mit diesen verdammten Flaschen hier zu tun hat?“
Ich wollte es neutral klingen lassen, doch ich wurde zum Schluss hin immer lauter und auch aggressiver.

„Es tut mir leid, Gwenny…“, murmelte er und sah dabei stur auf den Boden. Und dann begann er zu erzählen, denn es tat ihm sichtlich leid, was er getan hatte.

Aber trotzdem! Er hätte daran verrecken können! Und genau das machte ich ihm auch klar, wodurch er nur noch gebannter auf den Boden sah und ihm eine Träne über die Wangen lief.

Schnell stand ich von meinem Stuhl auf, auf den ich mich gesetzt hatte, und schloss ihn in meine Arme. Zum einen um ihn zu trösten, zum anderen, weil ich ihn einfach brauchte.

„Ich brauche dich einfach, Gwenny. Du bist mein Fels in der Brandung, wenn mal wieder alles schief läuft. Du bist einfach da und ich fühle mich auf der Stelle besser. Du bist einfach meine bessere Hälfte. Ich will dich einfach nicht verlieren. Ohne dich bin ich nichts.“

Tief sah ich in seine Augen, in denen sich immer mehr Tränen lösten und senkte meine Lippen auf die seinen.

 

Leider kam irgendwann Xemerius vorbei und wies uns daraufhin, dass wir nicht uns auffuttern, sondern doch lieber das Essen, welches gerade kalt zu werden drohte, endlich essen sollten.

Gideons Essen schmeckte mal wieder hervorragend, wie immer, was ich ihm auch gefühlte tausendmal sagte, denn ich musste sein Essen einfach loben. Und jedes Mal wurde er aufs Neue rot.

Da es nach dem Essen bereits sehr spät war und wir morgen früh schon wieder in aller Frühe in Temple sein sollten, damit nicht das gleiche Malheur wie heute Morgen passieren würde und wir Angst haben mussten, dass wir springen, gingen wir, nachdem wir die Überreste in den Müll und das Geschirr in den Geschirrspüler geräumt hatten, ins Schlafzimmer um zu schlafen. Kaum lag ich neben Gid im Bett und hatte ihm noch einen Kuss gegeben, da schlief ich auch schon ein.

 








Zuletzt geändert: 14.11.2016 21:22:05

Text & Design © 2012-2017 by &
Impressum