Forever And Ever - I Am Lost Without You


11. Spontan muss man sein


 

Mr George brachte uns mit einigen weiteren Umwegen wieder nach oben in die Eingangshalle, von wo aus wir zu den Parkplätzen weitergingen. Wir waren beinahe an unserer Limousine angekommen und froh, nicht entdeckt worden zu sein, da kam auf einmal Mr Marley vorbei. Anfangs dachte ich, er würde uns nicht bemerken, doch mir wurde etwas anderes gelehrt. Er war anfänglich so sehr in Gedanken, dass er nicht mal seinen Kopf anhob. Als er jedoch näher kam und unsere Schritte hören konnte, riss er ruckartig seinen Kopf hoch und sah uns leicht verstört an.

Dann schien er sich jedoch wieder zu fangen und stotterte irgendwas wieder mal vor sich hin.
‚Komischer Kauz‘, dachte ich mir. Das einzige was ich verstand, hatte irgendwas damit zu tun, dass er uns noch einen schönen Tag wünschte.

Und dann war er auch schon wieder verschwunden.

Kopfschüttelnd stieg Gideon in den Wagen ein und ich folgte ihm. Drinnen lehnte ich mich an ihn an, da ich doch etwas erschöpft war. Aber hey, ich durfte so was! Immerhin war ich heute einmal gestorben, hatte meinen Adoptionseltern gebeichtet, dass ich unsterblich war (okay, das hatte Gideon übernommen), und dann auch noch einen Langstreckenlauf hinter mich gebracht. Da darf man so was.

„Schlaf schön, mein Engel.“, flüsterte mir mein Prinz zu und schon war ich in meiner Traumwelt.

 

Als ich wieder erwachte, konnte ich mich an meinen Traum nicht mehr erinnern. Dadurch konnte ich auch nicht sagen, ob er schön oder doch eher ein Albtraum war – und irgendwie war ich froh darüber.

Als ich meine Augen aufschlug, erkannte ich, dass wir noch immer in dem Wagen saßen. Dieser stand jedoch still. Mit einem Seitenblick zu Gideon sah ich, dass er mich lächelnd ansah und mit seiner Hand an ein paar Strähnen meiner Haare herumspielte.

„Guten Morgen, meine kleine Schlafmütze“, begrüßte er mich in der Realität.
„Morgen“, antwortete ich ihm verschlafen. Nach diesem kargen Wortwechsel wanderte mein Blick weiter zu den Fenstern der Limo, wo hindurch viele Autos zu sehen waren, in denen man einige Fahrer ausmachen konnte, die gefrustet und wütend aussahen.

„Wie lange hab ich geschlafen?“ Meine Stimme klang noch etwas müde und ausgelaugt und ich musste noch dazu herzhaft gähnen. Scheinbar war ich immer noch nicht ganz wach.

„So etwa zwei ½ Stunden. Und seit etwas mehr als zwei Stunden stehen wir nun schon in diesem Stau fest“, antwortete mir Gideon, wobei seine Stimme sich von sanft zu genervt änderte, während er sprach.
„Und das Ende ist noch lange nicht in Sicht“, fügte er noch genervter hinzu.

Mitfühlend sah ich ihn an. Der Arme musste ganze 2 Stunden alleine ohne jemanden zum Reden auskommen und dabei auch noch im Stau feststecken.
Als könne er Gedanken lesen, setzte er noch hinzu: „Aber ich konnte dir ja beim Schlafen zusehen und das gleicht das ganze wieder aus. Du siehst echt süß aus, wenn du schläfst. Eigentlich auch sonst, aber beim Schlafen am meisten“ und küsste mich.

Er war ja so süß... Da konnte man gar nicht anders als zu lächeln. Sofort war meine Müdigkeit verflogen und ich gab mich vollkommend dem Kuss hin.

Wir hatten uns nach einer gefühlten Ewigkeit wieder voneinander gelöst und mir fiel sofort auf, dass sich unser Fahrzeug – wenn auch nur langsam – wieder in Bewegung gesetzt hatte.
Dieser Zustand währte jedoch nicht wirklich lange, denn kurz vor dem Hyde Park standen wir wieder im Stau.

Als ich besagten Park sah, kam mir eine Idee, die besser war, als nur in dem Wagen rumzusitzen.

Ich klopfte an die Trennscheibe zu unserem Fahrer, woraufhin diese herunterfuhr.

„Könnten wir hier bitte aussteigen? Den restlichen Weg werden wir auch zu Fuß zurücklegen können“, sagte ich ihm und sah zu Gideon, der mich nur stirnrunzelnd ansah, denn er schien wirklich keine Ahnung zu haben, weshalb ich aussteigen wollte.

Tja, manchmal hatte ich halt auch mal Gedankenblitze, die anderen nicht so schnell in den Kopf kamen.

„Natürlich, Miss. Ich parke nur noch schnell, dann können Sie aussteigen“, gab unser Chauffeur zurück.
Gesagt, getan. Er hielt am Straßenrand, ich riss die Tür auf, sprang förmlich heraus und zerrte Gideon regelrecht hinter mir her.

„Was hast du vor?“, fragte er mich und ich konnte aufgrund dieser Frage nur die Augen verdrehen. Ich steuerte direkt den Hyde Park an und langsam schien auch Gideon ein Licht aufzugehen.

„Ach so…“, meinte er mit einem breiten Lächeln im Gesicht. Ich konnte nur zurücklächeln. In dem Moment, in welchem wir den Park betraten, bemerkte ich erst, wie leer es hier war.

So leer hatte ich den Hyde Park schon lange nicht mehr erlebt. Zumindest nicht am Nachmittag um diese Uhrzeit. Sonst war alles immer voll mit Touristen, die ihre Kameras nicht aus der Hand legen konnten und von jeder Blume, ja schon beinahe jedem Blumenblatt, ein Bild zu machen schienen, kleinen Kindern, die mit ihren Eltern oder Freunden herumtollten und Spaß hatten, ältere Leute, die einfach mal ein bisschen Zeit für sich benötigten, um von dem täglichen Alltag und Stress wegzukommen, oder verliebten Pärchen, die Hände haltend durch den Park liefen und die Natur genossen oder sich verliebte Blicke zuwarfen.

Heute waren nur vereinzelt Pärchen zu sehen, die Hand in Hand herumschlenderten, ältere Leute waren beinahe gar keine da und auch Kinder konnte ich nicht viele erkennen.

Selbst Touristen waren fast keine da. Vielleicht vereinzelt, aber nicht in dem Ausmaß, wie man es an anderen Tagen erleben konnte.

Diese angenehme Ruhe, die dieser Park in diesem Augenblick ausstrahlte, war einfach nur gigantisch. Gideon legte seinen rechten Arm um mich und zog mich näher an sich ran. So gingen wir eine Weile auf den nett angelegten Wegen zwischen den Grünanlagen entlang, bis wir an einer speziellen Stelle angekommen waren. Hier war ich bereits früher schon gerne hingekommen und ich verband so viele wunderschöne Momente mit diesem Platz hier.

Ich sah eine kleine Bank, auf die ich Gideon mitzog. Hier hatte ich mit Nicholas, meinem Adoptionsvater, gerne gesessen, als er noch lebte. Auch mit Gid war ich hier schon einige Male gewesen und es war immer wieder schön gewesen, wie nun auch.

Es war einfach immer schön hier, sodass ich mir keinen schöneren Platz hätte vorstellen können. Mit Gideon war es natürlich überall schön, doch genau diese Stelle hier war etwas ganz Besonderes – vor allem mit Gideon.

Dieser zog mich, nachdem wir uns hingesetzt hatten, noch näher an sich heran und legte sein Kinn auf meinen Kopf.

„Ich liebe dich“, flüsterte er und ich kuschelte mich noch näher an ihn und antwortete: „Ich liebe dich auch.“

So saßen wir eine Weile da und hingen beide unseren Gedanken nach. Doch plötzlich hatte ich erneut eine Art Gedankenblitz, den ich meinem Schatz auch gleich mitteilen wollte. Dafür musste ich mich schweren Herzens auch von ihm lösen, was er mit einem schweren Seufzen quittierte. Mir tat es ja auch leid, aber ich wollte ihn auch unbedingt in meinen Plan einweihen.

„Was ist los?“ Er klang etwas gekränkt, was ich wirklich nur zu gut nachvollziehen konnte. Ich wäre auch lieber noch etwas in der vorherigen Position geblieben, doch mein Plan ging nun mal vor, wie ich fand.

Tief sah ich in seine tiefgrünen Augen und war mal wieder kurz davor, mich ihnen zu verlieren.

„Ich hab‘ da grad so eine Idee gehabt“, fing ich an und Gideons Miene hellte sich merklich auf. Er hatte sich bestimmt wieder sonst was aus meiner Reaktion zusammengereimt.

„Schieß los. Was für eine Idee?“, fragte er voller Interesse.

„Wir könnten meine Eltern mal wieder besuchen gehen. Also wenn du nichts dagegen hast. Ich möchte mein Geschwisterchen mal wieder sehen. Und du und Paul habt euch ja auch endlich vertragen. Und auch so würde ich gerne mal wieder mit dir in die Vergangenheit, ohne dabei in einem alten verschlossenen Raum zu sitzen.“

„Klar, gerne. Ich habe auch schon darüber nachgedacht. Nur das letzte Mal, als ich bei Lucy und Paul war, waren sie so… Wie soll ich das sagen?“

Ich hatte keine Ahnung, was er meinte.

„Sie meinten, dir wäre etwas wirklich Furchtbares zugestoßen. Was meinst du, weshalb ich gestern Abend so merkwürdig drauf war?“

Nun verstand ich so einiges. Gespannt hörte ich ihm weiter zu.

„Sie waren gerade im Chronographenraum, als ich auftauchte. Beide waren total aufgelöst und Paul meinte, ich solle so gut es ginge auf dich aufpassen. Doch wollten sie mir nicht sagen, was geschehen war oder noch geschehen würde. Außerdem musste ich hoch und heilig versprechen, dich zu beschützen. Und kaum hatte ich dieses Versprechen gegeben, war ich auch schon zurück im Jahr 2013.“

Schweigend saßen wir wieder da. Ich kuschelte mich wieder an meinen Prinzen und persönlichen Bodyguard und er ließ ein verliebtes Seufzen vernehmen.

Ich wusste, er würde für immer für mich da sein und zwar egal was passieren würde.

Wir sahen, wie die Sonne unterging. Dies war wieder so ein Moment für die Ewigkeit, den ich bestimmt immer in meinem Herzen halten würde.

In der Dunkelheit liefen wir Hand in Hand nach Hause und blieben währenddessen hier und da gelegentlich mal stehen, um uns zu küssen.

Und wieder mal bemerkte ich: Gideon war der Richtige für mich und mit ihm wollte ich meine Ewigkeit verbringen.








Zuletzt geändert: 14.11.2016 21:22:05

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