Kurztexte



Idealbild

Wollt mich verändern; mich nach euren Vorstellungen wiedererschaffen. Wer sich wehrt, hat noch nicht genug gelitten und wird so lange niedergemacht, bis er nachgibt.

Alle sollen dem Ideal, das ihr vorgebt, entsprechen, doch wird das nicht irgendwann langweilig? – Alle gleich.

Habe mir das jetzt lange genug angesehen, habe lange genug mitgewirkt und am Ende lange genug die seelischen Schmerzen der anderen, die eure „Heilung“ hervorgerufen hat, ertragen.

Jetzt stelle ich mich quer, helfe den „Aufständischen“ und werde dadurch – ganz nebenbei – einer von ihnen. Was macht ihr jetzt?

Klar, erst mal die Lage abchecken; mich und meine Vorgehensweise im Auge behalten und analysieren, was ich mache.

Mit der Zeit werdet ihr bemerken: Ich meine es ernst! Setze mich für die Anderen, die ihr als Opfer bezeichnet, ein, grenze mich von euch Idealisten ab und nehme meinen Lebenslauf selbst in die Hand.

Habe keinen Bock mehr auf euch und euer Getue. Nun kommt ihr aus der passiven Defensive in die aktive Offensive. Setzt mich unter Druck. Benutzt meine Freunde als Druckmittel.

Doch als ihr noch uns analysiert habt und darauf geachtet habt, was wir in der Öffentlichkeit von uns geben, haben wir uns gegen EUCH verschworen. Haben uns verstellt und euch ein falsches Bild von uns gemacht. Ihr seid drauf reingefallen und habt Schwächen entdeckt, die es gar nicht gibt. Das, was für euch vielleicht als Schwächen aussah, ist in Wahrheit unsere stärkste Waffe.

Wir haben alle keine Lust mehr darauf, von euch unterdrückt zu werden. Ihr spielt euch auf, als würdet ihr die Könige und Könige sein. In welchem Jahrtausend leben wir denn bitte schön?

Wir leben in einem freien Land, die Monarchie ist vergangen; die Demokratie blüht in den schönsten Farben auf. Willkommen in der Realität.

Geht in euren Keller, aus dem ihr hervorgekrochen seid und versucht, dort unten die Ratten und Spinnen, vor denen viele von euch doch so große und schreckliche Angst haben, von euren Plänen zu überzeugen und sie nach eurem Ideal zu erziehen. Doch lasst uns in Frieden, denn für diesen haben unsere Vorfahren so lange gekämpft, und wenn es sein muss, kämpfen wir auch heute noch einmal dafür, endlich Frieden zu haben und unsere eigene Meinung preiszugeben.

Ja, wir werden kämpfen - ob es euch gefällt oder nicht und ob wir damit gegebenenfalls eure Pläne sabotieren, ist uns egal. Denn wir erheben uns endlich und kommen aus der Rolle der Opfer heraus.

Bis zum letzten Mann und zur letzten Frau werden wir kämpfen. Jeder von uns ein Individuum, der sich nicht von euch zu eurem „Ideal“ verbiegen lässt.

~Ann-Kathrin Kälberer*2013~










































Zuletzt geändert: 22.05.2017 09:59:05

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