Kurztexte



Brennendes Blau

Der Himmel war blau.

Wenn man mich fragen würde, wäre das nichts Besonderes. Ist der Himmel nicht ständig blau? Gerade jetzt, im Sommer?

Und doch war der Himmel blau. So blau, dass man hätte denken können, ein ganzes Universum sehen zu können.

Keine Wolke am Himmel, nur eine strahlende Sonne und sonst nichts als blau. Ein Blau zum darin versinken.

Für einen kleinen Moment schloss ich meine Augen.

Noch immer blau. Das schönste Blau der Welt. Dieses Funkeln, das das Blau öfter hatte.
Es war mein absolutes Lieblingsblau.

Langsam öffnete ich meine Augen wieder. Und weg war es. Nur noch der Abklatsch, der da am Himmel zu sehen war.
Und das Himmelsblau kam nicht einmal ansatzweise an mein Lieblingsblau heran.

Am meisten liebte ich es, wenn er dabei lachte oder nur lächelte. Wenn das Blau anfing zu funkeln und zu glänzen. Wenn sein Lächeln das Blau erreichte.

Ich verlor mich viel zu gerne darin.

Man sagt immer, die Augen sind der Schlüssel zu Seele, doch bei ihm waren sie viel mehr. Sie waren nicht nur der Schlüssel zu seiner Seele, sondern auch der Schlüssel zu einer neuen Welt.

Genüsslich schloss ich bei dem Gedanken meine Augen wieder.
Da war es wieder. Die Erinnerung an das schönste Blau der Welt: Seine Augen.

Ein Stechen ging von meiner linken Brust aus.
Mein Herz schmerzte ein wenig.

Auch wenn ich es nicht zugeben wollte, so vermisste ich ihn doch mehr, als alles andere.

Sein Lächeln, seine Stimme, sein Lachen, seine Augen, seine Umarmungen, seine Art, wie er war.
Ich vermisste alles an ihm, sogar seine Kitzelattacken.
Dass ich ihn vermisste, von jemandem wie mir zu hören, mag komisch erscheinen.
Bin ich doch immer gefühlskalt, abweisend, gefühlslos gewesen.
Doch er hatte irgendwie alles verändert.

Es war, als sei ich aus einem ewigen, kalten Dauerschlaf erwacht und plötzlich war alles hell, so warm und auch so neu.

Nie gekannte Gefühle überkamen mich und warfen mich regelmäßig aus der Bahn. Warfen mich aus der Bahn des Mainstreams, aus der kalten, langweiligen, immer gleichen Bahn. Und ich liebte es.

Und ich liebte ihn. Doch gerade jetzt, da vermisste ich ihn so sehr. So sehr, dass mein Herz ein wenig schmerzte. Und doch brannte es.

Es brannte für ihn, wo es doch vor kurzem noch eiskalt war.
Doch die Freude, die mit der Wärme um mein Herz zurückkam, stellte alles andere in den Schatten.

Die Tatsache, dass ich ihn bald wieder in meinen Armen halten könnte, freute mich so sehr, dass mein leicht schmerzendes Herz einen kleinen Sprung machte.

Einen Sprung, wie es mein Herz erst durch ihn gelernt hatte, und seitdem ständig machte.

Wohlig seufzte ich auf. Ich freute mich viel zu sehr darauf, ihn wieder zu sehen, dass ich nur noch daran denken konnte. Seit Stunden.

Seit Stunden lag ich nun schon hier im Grünen und träumte unter dem blauen Himmelzelt von ihm.

Seit Stunden…

Plötzlich spürte ich weiche Lippen auf meinen und die Schmetterlinge in meinem Bauch schwirrten wild in der Gegend herum. Sein Geruch benebelte mir meine Sinne und ich seufzte erneut wohlig auf.

Langsam lösten wir uns wieder und ich öffnete meine Augen.

Das schönste Blau der Welt strahlte mir entgegen. Und ich liebte es.


~ Ann-Kathrin Kälberer *21. April 2016 ~






























Zuletzt geändert: 22.05.2017 09:59:05

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